Sonntag, 10. Februar 2013

Wo ich jetzt zuhause bin

Wo ich jetzt zuhause bin, geht Herbst in Winter in Frühling über.
Sonnenschein über kargen, märzensgleichen Landstrichen betupft Äcker, Wiesen, Baumgruppen rotbraun, grünbraun, goldbraun. Umzingelt von Hügeln und von Bergen, irrationalen Bergen. Wo kommen diese Alpen jeden Tag her? Ich erschrecke regelmäßig vor ihnen, wenn sich die um sie herum sammelnden Wolken auflösen, die Berge aber stehen bleiben. Spitz und kantig mit so klaren Schneekonturen.


Wo ich jetzt zuhause bin, in der kleinen Stadt Klina, ist es eigentlich nicht hübsch.
Auf uneben gepflasterten Fußwegen, mit Schlamm geteerten Pfaden sammeln sich Pfützen, Autos platschen hindurch, nehmen Einheitsfarbe an. Daneben kaum andere Farben, vom in stachligem Gestrüpp klemmendem Plastikmüll abgesehen. Unverputzte Rohbauhäuser gehen backsteinfarben Ton in Ton ineinander über. Wäscheleinen spannen klitschnasse weiße, schwarze, gestreifte Unterhemden über zwei Schritt breite Balkone. Eine Kirche mit zwei Türmen, eine Moschee mit zwei Minaretten, irgendwo dazwischen ziert Mutter Theresa fromm einen Kreisverkehr. Buschige, schwarze Hühner tapsen über zaghaftes Frühlingsgras in Stadtrandgärten, morgen ist dieses vielleicht wieder für einige Stunden mit Schnee bedeckt.
Hübsch ist Klina tatsächlich nicht. Und doch liegt etwas in der Luft, das ich schön finde. Diese dörfliche Kleinstadtidylle. Wenn der Muezzin sein kurzes Lied erklingen lässt, wenn ich mit „Grüßgott!“ empfangen werde, wenn sonntags junge Familien und alte Ehepaare am Flußufer entlang spazieren, wenn mir eine Viertelstunde vor Sonnenuntergang ein kleines, dunkelhaariges Mädchen entgegen gehüpft kommt, so wie ich vor zehn Jahren, wenn ich vom Spielplatz nachhause kam, dann funkelt Klina einfach in einem so schönen verträumten Charme.


Kommentare:

Hannah Fischer hat gesagt…

Ich bin die Fernwehgeplagte und bewundere deinen nächsten Freiwilligendienst und vor allem diesen Brief. Toll. Eine schöne Zeit noch.
Liebe Grüße aus Dortmund sendet Hannah : )

Melanie hat gesagt…

Danke liebe Hannah. Du glaubst gar nicht, wie viele Parallelen zum Leben in Ghana peaceful country mir hier begegnen...
Liebe Grüße und alles Gute im Kampf gegen das Fernweh :)